Ans Internet angeschlossen –
aus dem wirklichen Leben ausgeschlossen.

Mit der Entwicklung und der Verbreitung der digitalen Kommunikation wie Internet, Videospiele und soziale Netzwerke entstand auch ein ganz neuer Suchttypus. Die direkten Auswirkungen sind Verarmung der sozialen Kontakte und eine Form von Depression. Eine abhängige Person entwickelt Entzugsstörungen die von einer leichten Nervosität bis zur Überreiztheit gehen können und gleichzeitig eine steigende Resistenz. Um einen emotional befriedigenden Gemütszustand zu erreichen muss sie sich immer häufiger anschliessen und verbringt immer mehr Zeit auf elektronischen Kommunikationsplattformen.

Online-Rollenspiele, Chats, Begengnungsplattformen und soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter weisen ein hohes Suchtpotential auf. Denn es wird möglich anonym zu kommunizieren, ohne die nicht-verbale Kommunikation und die realen Gefühle berücksichtigen zu müssen. Die so erschaffene virtuelle Welt ersetzt nach und nach die realen sozialen Kontakte durch Mitgliedschaften an virtuellen sozialen Gemeinschaften in denen dennoch Formen von Freundschaft und Selbstsicherheit erlebt werden können. Der Anschein trügt allerdings, weil nämlich der kreierte Avatar oder die gespielte Persönlichkeit nicht darauf aufgebaut ist, was diese Person von sich selber hält, sondern darauf was sie gerne wiederspiegeln möchte. Daher isoliert sie sich von der realen Welt und die virtuelle Welt wird zu ihrer Wirklichkeit. Ohne es erst so wahrzunehmen, beginnt ein paradoxales Leiden der Vereinsamung mit einer gleichzeitigen Angehörigkeit an eine unendlichen Welt.

Erste Symptome sind z.B. ein unwiderstehliches Bedürfnis immer häufiger die Nachrichten abfragen zu müssen. Ist dies nicht mehr möglich weil die Batterien leer sind oder gerade kein Anschluss vorhanden ist, kommt ein unbestimmtes aber stark unangenehmes Bauchgefühl auf. Die realen materiellen Beziehungen werden durch diese Zwangswiederholung gestört. Schlimmer noch, durch Mangel an Praxis im richtigen Leben verarmt die Kommunikation zwischen Freunden, Angehörigen und im Familienkreis. Man sieht sich nicht mehr an, man spricht nicht mehr direkt miteinander, sondern fast ausschliesslich über Mails, Chats und andere elektronische Medien. Der Film Web Junkie (Beijing 2014) besagt das die Internetabhängigkeit (individuell und sozial) in der Chinesischen Republik seit 2008 als psychologische Pathologie anerkannt ist.

Kennen Sie den Unterschied zwischen Maße und Masse? Dann fragen Sie sich ob Sie Wein in Massen oder in Maßen trinken. Denn Abhängigkeit ist eine Frage des Maßes. Sind Sie bereits abhängig?

Test: http://www.chip.de/artikel/Psychotest-Sind-Sie-Internet-abhaengig_18026161.html.

Es ist allerdings möglich sich mit Hilfe von Einzel-, Paar-, Familien- oder Gruppentherapie neu zu Programmieren.